Heinsen
       
    

        an der Oberweser

 
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Haus Haus

 

 

Man befindet sich in Heinsen auf regional besonders bedeutsamen Boden. Hier fand man erste Anzeichen menschlichen Eindringens ins Wesertal, die aus der Steinzeit aus dem Mesolithikum stammen. Diese ersten Siedlungen im Landkreis Holzminden befinden sich beim Gut Heinsen und am Köterberg. Sie wurden in der Regel in der Nähe von Quellen, aber vorm Wasser der Oberweser geschützt, weit über dem Tal errichtet. Es wurden zumeist länger bewohnte Schlagstellen gefunden. Heinsen wurde im Jahre 832 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort Heinsen ist seit mehr als 1100 Jahren als “Bauern-Schiffer-Fischerdorf" ein fester Bestandteil in der Schifferkultur an der Weser. Schöne Bauern- und Schifferfachwerkhäuser reihen sich aneinander und säumen die Weser. Noch heute wird hier das Fischereihandwerk mit Aalreusen ausgeübt.

von Horst Knoke

Heinsen, das Dorf, hart an der Weser gelegen, wird schon 832 in einer Urkunde als Schenkung an das Kloster Corvey erwähnt. 200 Jahre später schenkte Kaiser Konrad II den Herrenhof Heinhusen der Kirche von Paderborn. Etwa um 1280 verpfändete die Kirche Paderborn Heinhusen an die Eversteiner und löste das Pfand nie wieder ein. Viele Einwohner des Dorfes lebten seit Jahrhunderten von der Weser, sei es als Fischer, Flößer, Schiffsburschen oder Schiffsknechte, Schiffsführer oder auch als Schiffseigner. Darum ziert ein Anker das Dorfwappen. 1938 barg man in Höhe der Domäne Forst einen fünf Meter langen Einbaum aus der Weser, ein frühes Zeugnis der Schifffahrt auf der Oberweser.
Die Fischer von Heinsen besaßen das ihnen vom Poller Amtmann schriftlich 1664 bestätigte Recht, „von der Hämelschen Schlacht bis Münden die Weser hinauf“ also auf einer Länge von 135 km zu fischen. Hamelns Fischereirechte erstreckten sich damals nur über knapp 4 Kilometer. Der Fischfang brachte den Heinser Fischern damals reiche Erträge, ist heute aber bedeutungslos. Um 1960 gab es dort noch einen Berufsfischer (Anmerkung 2).
Reger Schiffsbau auf Heinser Werften
Früher gab es in Heinsen auch Leinenzieher „Huerossen“ genannt. Das waren Tagelöhner, die die Lastkähne an langen Leinen vom Flussufer aus Weseraufwärts zogen, sie  „treidelten“. In der Notzeit sah sich sogar mancher Bauer gezwungen mit dieser mühevollen und schweren Arbeit sich und seine Angehörigen durchzubringen.
In Akten aus dieser Zeit heißt es dann: „… ziehet fürs Schiff, dass er soviel erwirke,  dass er sich des Hunger erwehret“. Nach 1700 kam in einigen Bereichen der Pferdezug auf, der aber erst nach Überwindung erheblicher Widerstände der Weseranlieger ab Anfang des 19. Jahrhunderts üblich wurde. Auf der Oberweser wurde bis 1876 bis Münden hinauf getreidelt.
Im 18. Jahrhundert stiegen die Heinser Schiffer verstärkt in die Güterschifffahrt ein. Heinser Werften stellten nun die damals auf der Weser verkehrenden hölzernen Schiffe her. Böcke, Achterhänge und Bullen, die 100, 70 und 20 Tonnen trugen. Alle drei zusammen bildeten einen „Mast“, der Bock trug Segel. Zwischen 1770 und 1780 wurden auf den Heinser Werften, von denen die von Brüggemann und Bennefeld die bedeutendsten waren, 115 dieser Schiffe und noch einige Fährgefäße gebaut. Das Holz lieferten die Heinser Forsten, das Eisen bezog man aus dem Solling von der Uslarer Eisenhütte, das dann Heinser Schmiede bearbeiteten. Teer zum Anstrich kam aus Schweden . In jener Zeit waren in Heinsen im Schiffsbau acht Sägeführer, zehn Schiffszimmerleute, zwei Tischler, ein Mann zum Dichten der Schiffe mit Pech, ein Grob und Nagelschmied, zwölf Schiffsleute, die die Schiffe beim Auftragsgeber ablieferten und außerdem eine große Anzahl von Handlangern und Tagelöhnern tätig, 1788 gab es in Heinsen zehn Schiffseigner, in Hameln nur einen. Der Unternehmer Brüggemann besaß in Heinsen einen kleinen Hafen mit Hafenmauer und Schifferherberge.
Unter Napoleon die eigenen Schiffe versenkt.
In Heinsen baute man nicht nur auf Bestellung, sondern auch auf Risiko der Werftbesitzer. Solche Schiffe wurden mit heimischen Gütern wie Holzkohle, gebranntem Kalk, Sandsteine oder Holz beladen, mit einer „Declaration“ versehen und auf der Mittel- oder Unterweser mitsamt der Ladung zum Kauf angeboten.
1788 gründeten zehn Heinser Schiffeigner und mehrere Brevörder Kalkbrenner eine „Kalkhandels-Compagny“, die jährlich die Produktion von 32 Kalköfen verkaufte. Nur Heinser Schiffer durften den gebrannten Kalk verkaufen, der auch im Hamelner Festungsbau benötigt wurde.
Hatten die Heinser Schiffer schon im Siebenjährigen Krieg großen Schaden an ihrem Schiffsgerät erlitten, so traf sie während der Franzosenzeit noch schwerere Verluste. Auch in Folge der Kontinentalsperre lag der Schiffbau für Jahre still.
1812 wurden alle größeren Schiffe für Schiffsbrücken requiriert oder unter Aufsicht gestellt. Die Schiffseigner versenkten ihre übrigen Schiffe in der Weser, um sie den französischen Zollbeamten nicht in die Hände fallen zu lassen. Nach Abzug der Franzosen hoben sie die versenkten Schiffe wieder. Danach folgte eine langsame Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse. Im 19. Jahrhundert brachte der Einsatz von Dampfschiffen und eisernen Kähnen den Schiffbau in Heinsen zum Erliegen. Auch die Schiffseigner starben im 20. Jahrhundert langsam aus. 1960 gab es nur noch einen.
Viele Heinser waren in der 700 Jahre lang betriebenen Flößerei tätig, einen Beruf der viel Kraft und Geschick forderte.
Floßfahrt nach Bremen in fünf bis sieben Tagen.
Angetrocknete Fichtestämme wurden ins Wasser gerollt und mit Drahtseilen verbunden. Auf diesen Boden des Floßes wurden sieben Querhölzer und meist noch vier weitere Schichten Stämme aufgeschichtet, obenauf kamen die weniger tragfähigen Buchen- und Eichenstämme oder Schnittholz. Die beiden vorderen und das hintere Ruder wurden von quer auf die oberen Stämme genagelten Planken, den Bühnen, bedient. Als Besatzung waren für ein Floß mit bis zu 120 Festmeter Holz der Flößer, der ein Flößerpatent haben musste, und ein Mann vorgeschrieben, für ein größeres Floss war ein weiterer Mann erforderlich. Die Fahrt von Heinsen nach Bremen dauerte fünf bis sieben Tage. Ein Flößereiunternehmen konnte in günstigen Jahren 15-20000 Festmeter in 100 -130 Flößen transportieren. Die Holzflößerei auf der Weser ist ausgestorben. Das letzte Floß passierte Hameln 1964

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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